Ab wann ist ein Hund ein Senior - und muss man das Futter dann anpassen?

Ich habe den Eindruck, es ist gerade Mode, Hunde sehr früh zum "Senior" zu erklären. Ich sehe Seniorfutter "für den Hund ab 7" oder höre Hundehalter sagen "...er ist aber auch schon 8!"

Ich gebe ja zu, es gibt einige Rassen, bei denen man froh sein muss, wenn der Hund dieses Alter erreicht. Leider haben es diese Rassen oft der züchterischen Unvernunft der Menschen zu verdanken, dass ihre Lebenserwartung so gesunken ist.

Generell denke ich aber, man sollte die Bewertung ob ein Hund "alt" ist oder nicht, nicht von einer Zahl abhängig machen, sondern von dessen individuellem Befinden. So wie es Menschen gibt, die mit 85 noch einen Marathon laufen, gibt es Hunde die noch in hohem Alter fit und gesund sind.
Die oft genannte Korrelation mit der Größe ist auch nur eine Verallgemeinerung! Tendenziell ist es zwar so, dass kleinere Hunde etwas älter werden, als größere, aber für das einzelne Individuum lässt das keine Aussage über das tatsächlich erreichbare Alter zu.

Woran kann man also fest machen, wie es um das empfundene Alter des Hundes geht? Nun, ganz profan wie beim Menschen an dessen Gesundheit und Wohlbefinden. Ganz klar wird es natürlich, wenn alterstypische Erkrankungen  wie Verschleißerscheinungen an Knochen und Gelenken oder Einschränkungen der Funktion der Organe auftreten. Weniger leicht zu bemerken sind dagegen schleichende Veränderungen: ein größeres Ruhebedürfnis, Muskelabbau, allgemein weniger Energie. Da gibt es auch keine klare Grenze, schließlich beginnen viele dieser Prozesse schon kurz nach der Junghundezeit - natürlich zu Beginn mit sehr langsamem Verlauf.

Und die graue Schnauze? Auch diese kann ein Anzeichen für beginnende Alterung sein, muss es aber nicht! Es gibt Hunde, die bereits in jungen Jahren zu ergrauen beginnen - und uralte Hunde, die noch kein einziges graues Haar erkennen lassen.

Futteranpassungen sind bei einem gesunden älteren Hund nicht notwendig! Die oftmals gehörte Meinung, ein älterer Hund brauche weniger Proteine entbehrt jeder ernährungsphysiologischer Grundlage. Auch alte Hunde müssen Körperzellen ersetzen und Enzyme und Proteine für die Körperfunktionen herstellen - hierzu brauchen sie die Aminosäuren, die sie nur aus den Nahrungsproteinen gewinnen können.

Bei älteren Hunden lässt die Verdauungsleistung meist nach - bei manchen schneller, bei anderen kaum merklich. Wenn das auftritt, sollte man das Futter entsprechend an die Bedürfnisse anpassen. Eine Erhöhung der Anzahl der Mahlzeiten kann hilfreich sein. Manche ältere Hunde können Knochen nicht mehr gut verdauen. Zunächst kann man dann versuchen, die Knochen auf jeden Tag zu verteilen. Wenn das nicht reicht, muss man irgendwann Knochen durch entsprechende Supplemente ersetzen. Ähnliches gilt für schwerer verdauliche, bindegewebsreiche Zutaten - auch diese sollte man dann gut verteilen oder im Zweifel durch gut verdauliche, hochwertige Zutaten ersetzen.

Ganz ohne Zweifel ist eine Futteranpassung immer dann notwendig, wenn Krankheiten auftreten, die durch die Nahrung beeinflusst werden. Sei es Diabetes, Nierenerkrankungen, Leberschwierigkeiten oder ähnliches. In diesen Fällen geht es aber nicht um das Alter an sich, sondern einfach um die Untersützung der Erkrankung. Man kann sich also an den generellen Ernährungsanweisungen für Hunde mit diesen Krankheiten orientieren.

Und ganz grundsätzlich ist mir noch wichtig zu sagen: wenn man einen wirklich alten Hund hat, der vielleicht auch schon krank ist oder sonstwie absehbar ist, dass sich seine Lebenszeit dem Ende nähert, dann bitte füttert eurem Hund, was er mag! Ob das dann perfekt ausgewogen oder gesund oder die reine Barf-Lehre ;) ist, ist egal! Das wichtigste in solchen Fällen ist, dass der Organismus genug Energie zur Verfügung gestellt bekommt. Und das zweitwichtigste ist die Lebensqualität. Ich sehe es so: wenn ich mal 95 bin und nur noch Schokopudding und Haselnussplätzchen essen mag, dann hoffe ich, dass ich Schokopudding und Haselnussplätzchen bekomme - und keine Vorträge darüber, dass das aber ungesund ist ;)

In jedem Fall wünsche ich euch noch viele tolle Jahre mit eurem Hund - und lasst euch nicht zu früh einreden, er/sie sei alt!