Viele Menschen, die beginnen sich mit dem Barfen auseinander zu setzen, sind anfangs irrtiert über die ganzen Prozentangaben. Woher kommen diese? Wofür braucht man sie? Wie genau müssen sie eingehalten werden?

Wir versuchen etwas Licht ins Dunkel zu bringen:

Die Grundidee beim Barfen (egal welche Richtung) ist immer die gleiche: man versucht die natürliche Ernährung des Raubtiers Hund nachzubauen. Die Urform des Barfens wäre also, dem Hund einfach ein komplettes Beutetier in den Garten zu werfen. Nur... nicht alle Hundehalter haben einen Garten. Und selbst wenn, dann sind möglicherweise nicht alle Nachbarn erfreut darüber, dem werten Wuffel beim Verspeisen eines Schafs zuzusehen. Die meisten brauchen also eine angepasste Form, die mit dem sonstigen, zivilisierten Leben halbwegs zusammen passt.

Also schaut man sich an, wie denn so ein Beutetier im wesentlichen zusammengesetzt ist. Genauer: der Teil, der tatsächlich verspeist wird - was ein großer Teil ist, aber nicht unbedingt alles.

Von außen nach innen haben wir da:

  • Fell (oder Federn, oder Schuppen): wird zum Teil mit gefressen, ist aber im wesentlichen unverdaulich, hat aber dennoch eine Funktion in Form von Ballaststoffen für den Darm
  • Haut und Muskelfleisch: davon bleibt im Regelfall nichts übrig, liefert Proteine, Fette, Mineralien und Spurenelemente, nicht zu vergessen Wasser
  • Knochen und Knorpel: je nach Größe des Beutetiers werden diese komplett verzehrt bzw. die großen, harten, tragenden Knochen bleiben zurück
  • Innereien: Leber, Niere, Herz, Milz, Lunge usw. wird alles verzehrt
  • Verdauungsorgane: auch hier liegt es an der Größe des Beutetiers. Bei kleineren wird einfach alles mit gefressen, bei größeren bleibt manches Mal der Darm zurück und beim Mageninhalt streiten sich die Geister

Einiges davon kann oder will man aus praktischen oder emotionalen Gründen ungern füttern.
Die meisten Hundehalter lieben nicht nur Hunde, sondern alle Tiere -- und da ist ein Stück Fell im Napf dann doch etwas des Guten zu viel. Zudem veranstalten die meisten Hunde mit Fell, Federn (und manchmal auch Schuppen) ein gewaltiges Chaos.
Alle Verdauungsorgane hinter dem Magen sind nicht nur fast unmöglich zu bekommen, sondern wären auch eine gewaltige Zumutung für unser menschlichen Nasen.

Daher versucht man diese Bestandteile durch Zutaten zu ersetzen, die etwas leichter zu handhaben sind. Es hat sich gezeigt, dass man ca. 10-20% des Futters durch Gemüse und Obst ersetzen sollte. Dann hat man zum einen meist eine ausreichende Menge an Ballaststoffen zugeführt und zum anderen simuliert es ein wenig den Verdauungsbrei im Beutetier, der zumindest zum Teil gefressen wird.

Bei den restlichen 80% schaut man nun auch wieder, wie die Verteilung denn in einem natürlichen Beutetier ist. Natürlich schwankt das in Abhängigkeit von der Größe. Aber im großen und ganzen bleiben die Verhältnisse schon immer ähnlich.
Nimmt man nun also zum Beispiel ein Schaf auseinander, das von Fell und Geschlinge (allen Verdauungsorganen hinter dem Magen) befreit wurde, zeigt sich, dass dieses zu ca. 55-60% aus Fleisch besteht (Fleisch meint in diesem Fall alles, was nicht Knochen oder Innereien ist!), 10% machen den Magen aus, weitere 10% sind ungefähr die Gedärme, 15% sind alle Innereien zusammen und 5-10% sind die blanken Knochen.

Die Gedärme möchten wir nicht füttern, daher schlägt man diese 10% üblicherweise dem Magen/Pansenanteil zu.
Die Knochen möchte man nicht blank füttern, sondern wie sie eben auch natürlicherweise gefressen werden mit einem Fleischanteil drumherum. Daher nimmt man 15% an und legt fest, dass es eben "rohe fleischige Knochen" sein sollten. Entsprechend geht man dann beim reinen Fleisch eher von 50% aus.

Wir haben dann also für den tierischen Anteil:
50% Fleisch
20% Magen (Pansen/Blättermagen) davon 10% als "Ersatz" für restliche Därme
15% Innereien
15% fleischige Knochen (RFK, für "rohe fleischige Knochen")

Noch ein Satz zu den Innereien, weil es da auch immer wieder wilde Debatten gibt. Meiner Meinung nach gibt es nicht den perfekten Innereienmix. Ich halte es für wichtiger auch hier für Abwechslung zu sorgen. Einzige Ausnahme: Leber enthält so viele tolle Nährstoffe, dass man diese einfach immer mit einplanen sollte. Und auch hier: im Verhältnis zu allen anderen Innereien nimmt die Leber bei den meisten Tieren ungefähr 1/3 ein. Aber nein, bei keinem Tier ist das Herz so groß wie die Leber - und auch die Niere nicht ;)

Und wie genau muss das alles nun sein?

Wie man ja schon aus der Herleitung sieht, sind viele dieser Werte Vereinfachungen oder Mittelwerte. Es geht nicht darum, ob ein Reh auf die Nachkommastelle genau 55% Fleisch enthält, sondern darum ungefähr die Verhältnisse nachzubauen.
Entsprechend ist auch nicht entscheidend, ob man eher 10 oder eher 20% Obst- und Gemüseanteil füttert. Wenn der Hund mit der Verdauung zurecht kommt, passt es. Man muss auch nicht zwingend exakt 20% Pansen oder 1/3 der Innereien Herz. Wichtig ist vor allem, dass man abwechselt und auf gute Qualität achtet.

Jede Frage nach "Zu welcher Kategorie rechne ich das?" erledigt sich dann fast von selbst. Denn völlig unabhängig ob man Herz jetzt zu Fleisch oder zu Innereien zählt, ob Kehlkopf eher Knorpel ist oder eher Fleisch - oder wie viel Fleischanteil denn jetzt genau: Man sollte einfach jedes Stück ungefähr in dem Verhältnis füttert, wie es im entsprechenden Beutetier vorkommt. Wenn ich also einen Hund habe, der von der Menge her im halben Jahr ein Schaf fressen würde, dann sollte dieser Hund in einem halben Jahr ein Kehlkopf, ein Schafsherz, eine Schafsleber usw. bekommen ;)