Es gibt ein sehr gutes, altes Hausmittel, das bei Durchfall, Erbrechen oder beidem oft gute Dienste leistet.

Vorweg aber der notwendige Hinweis, wann man dennoch zum Tierarzt sollte (im Zweifel auch nachts oder am Feiertag)

  • wenn Blut im Kot oder Erbrochenen ist...
  • wenn der Hund sehr jung oder sehr klein ist...
  • wenn Fieber oder gar hohes Fieber dabei ist...
  • wenn der Hund ungewöhnlich schlapp ist oder gar Kreislaufprobleme hat...
  • wenn der Verdacht besteht, dass es eine Vergiftung sein könnte...
  • wenn es nach 24h noch immer nicht besser ist...

... AB ZUM TIERARZT!

Und wenn man einfach "nur" ein ungutes Gefühl hat... auch!

So... und für alle anderen hier nun ein paar Tips und Hinweise:

Sowohl Durchfall als auch Erbrechen sind nicht an sich die Krankheit, sondern sie sind beide ein Reinigungsprozess des Körpers um irgendeine Störung los zu werden.
Entsprechend ist es - außer in Extremfällen - nicht zielführend, Durchfall oder Erbrechen stoppen zu wollen. Denn dann wird der Organismus nicht los, was er so dringend raus haben möchte.
Genauso wenig macht es aber auch Sinn, weiter Nahrung zuzuführen. Der Körper möchte sich gerade reinigen und hat weder Kraft noch Energie übrig um Nahrung zu verdauen.

Daher sollte man bei Durchfall und/oder Erbrechen den Hund zunächst einmal fasten lassen. Viele Hunde haben von sich aus dann schon wenig Appetit und zeigen damit schon an, was eigentlich sinnvoll wäre. Jeder halbwegs gesunde Hund verkraftet einige (sogar mehrere) Fastentage völlig problemlos. Wichtig ist nur, dass immer ausreichend frisches Wasser zur Verfügung steht. Und es macht Sinn, dieses noch etwas häufiger als gewohnt auszutauschen.

Diese Fastenphase behält man am besten bei, bis mindestens 12, besser 24 Stunden Ruhe ist mit Durchfall oder Erbrechen.

Währenddessen kann man schon einmal die Moro-Suppe (benannt nach einem Kinderarzt im frühen 20. Jahrhundert) zubereiten:

500g geschälte Karotten in einem Liter Wasser eine Stunde kochen, durch ein Sieb drücken oder im Mixer pürieren. Die Gesamtmenge auf einen Liter Wasser auffüllen. 3g Kochsalz (ein knapp gestrichener Teelöffel) hinzufügen. Fertig.
(Wichtig: die Mengenangaben bitte einhalten, damit die Suppe nicht entwässernd wirkt!)

Wenn dann ausreichend lange kein Durchfall oder Erbrechen mehr aufgetreten ist, bietet man die abgekühlte Möhrensuppe in mehreren Mahlzeiten pro Tag an. Der Hund darf davon fressen, so viel er mag. Die meisten Hunde nehmen sie sehr gerne an - besonders nach der Fastenphase. Sollte man einen sehr mäkeligen Hund haben, kann man sie mit einer kleinen Menge Brühe oder ähnlichem anreichern. Idealerweise füttert man so viele Tage pure Moro-Suppe, wie der Hund vorher gefastet hat - mindestens aber einen vollen Tag.

Anschließend beginnt die Phase des Wiederaufbaus zurück zur normalen Nahrung.

Zunächst gibt man etwas gekochtes Fleisch zur Moro-Suppe oder kocht etwas Fleisch direkt bei deren Herstellung mit.

Danach kann man etwas gekochtes Fleisch füttern - oder direkt zu rohem Fleisch übergehen. Es sollte nicht zu bindegewebshaltig sein.

Sobald man bei rohem Fleisch angekommen ist, führt man nach und nach die anderen Zutaten ein: erst Innereien, dann Pansen, zuletzt Knochen. Gemüse und Obst kann von Beginn an mit gefüttert werden.
Im Normalfall dauert die Phase vom Ende der puren Moro-Suppe bis zur vollständigen Nahrung ungefähr eine Woche. Bei eher robusten Hunden kann man oft schon binnen zwei Tagen zurück zur Normalnahrung gehen. Empfindliche Hunde brauchen auch schon mal 10 Tage.

Und wie wirkt nun diese Möhrensuppe?

Ein kleiner Ausflug in die Molekularbiologie:

Pathogene Bakterien benötigen eine Verbindung zu den Darmzellen um diese zu steuern, anzuzapfen oder sonstigen Blödsinn zu treiben. Dazu besitzen die Bakterien auf ihrer Oberfläche Strukturen, die man sich wie einen Schlüsselbart vorstellen kann. Diese Schlüssel passen genau in entsprechende "Schlüssellöcher" auf der Oberfläche der Darmzellen - man nennt dies auch Rezeptoren. Wenn der Schlüssel des Keims auf so ein Schlüsselloch trifft und sich darin verankert, löst das eine Reaktion der Darmzelle aus und das Bakterium ist fest auf der Oberfläche der Zelle angeheftet und kann nun sein Unwesen treiben.

Bei dem langen Kochen der Möhrensuppe entstehen nun aus den Zuckermolekülen, die in einer Möhren enthalten sind, Strukturen (Oligogalacturonide), die den Schlüssellöchern (Rezeptoren) von Darmzellen sehr ähneln. Wenn diese nun in großer Zahl im Darm herumschwimmen, heften sie sich an die Schlüssel der Bakterien. Dadurch können sich viele nicht mehr an die Darmzellen anheften, denn ihre Schlüssel sind mit den nachgemachten Schlüssellöchern blockiert. Der Organismus kann diese Bakterien dann einfach ausscheiden, so dass sie kein Unheil mehr anrichten können.

Daraus ergibt sich aber auch: die Moro-Suppe macht nur bei bakteriellen Durchfallinfektionen wirklich Sinn!

Bei Virusinfektionen (diese sind nicht so häufig, aber es gibt sie) des Darms, hilft sie nicht, da Viren über ganz andere Wege in die Darmzellen gelangen.

Bei Durchfallerscheinungen, die durch entzündliche Prozesse ausgelöst werden, kann die Moro-Suppe ebenfalls nichts ausrichten. Hier hilft sie evtl. aber ein wenig, indem sie die Wahrscheinlichkeit einer zusätzlichen bakteriellen Infektion reduziert.

Sofern Einzeller wie z.B. Giardien die Ursache von Durchfall sind, ist die Moro-Suppe nicht nur wirkungslos, sondern geradezu kontraproduktiv. Denn Giardien ernähren sich sehr gerne von Zuckern (Kohlehydraten) und diese sind recht viele in Möhren enthalten und werden durch das lange Kochen sogar noch leichter verfügbar für die Einzeller.

Mit der obigen Erläuterung wird dann vermutlich auch jedem klar sein, dass die Moro-Suppe natürlich auch bei Würmern oder verschluckten Fremdkörpern keinen Sinn macht.

Und bei (im weitesten Sinne) Vergiftungen z.B. durch verdorbene Nahrung kann sie ebenfalls nicht helfen. Sie bindet zwar etwas (Bakterien), aber keine Giftstoffe oder ähnliches.

Übrigens kann man die Moro-Suppe auch wunderbar vorbereiten und einfrieren. Dann hat man im Fall der Fälle direkt etwas zur Hand.

Wir wünschen immer gute Gesundheit und möglichst seltenen Einsatz!