Warum wird eigentlich immer wieder darauf hingewiesen, dass eine Barf-Ration ausreichend Fett enthalten sollte? Macht Fett nicht dick? Und was heißt eigentlich ausreichend? Muss ich das abwiegen? Oder ausrechnen?

Fangen wir also bei den Grundlagen an. Fett erfüllt zwei wesentliche Funktionen im Körper des Hundes. Zum einen ist Fett der effizienteste Energielieferant. Fett liefert pro Gramm fast doppelt so viel Energie wie zum Beispiel Kohlehydrate. Zum anderen stecken im Fett einige essenzielle Fettsäuren, die der Hund benötigt, aber nicht selbst bilden kann.

Steht nun nicht genug Fett für die Energieversorgung zur Verfügung, beginnt der Organismus des Hundes stattdessen Proteine zu verstoffwechseln. Das bringt allerdings Probleme mit sich: Eigentlich werden die Aminosäuren aus den Proteinen dafür gebraucht, Körpergewebe aller Art zu regenerieren und Enzyme, Hormone und dergleiche herzustellen. Außerdem entstehen beim Abbau der Proteine zum Zweck der Energiegewinnung giftige bzw. überflüssige Stoffwechselprodukte, die dann von Leber und Niere entsorgt werden müssen. Das ist übrigens auch der Grund, warum (zu Recht) vor einem zu hohen Proteingehalt im Hundefutter gewarnt wird.

Aber könnte der Hund nicht Energie aus Kohlehydraten gewinnen?

Ja, das kann er. Allerdings eben nicht so effizient wie aus Fetten, denn er besitzt nur zum Teil die notwendige Enzymausstattung. Tiere, deren Nahrung zu größeren Teilen aus Kohlehydraten besteht, haben aus guten Gründen einen erheblich längeren Darmtrakt. Denn die eigentliche Kohlehydratverdauung findet erst dort statt. Im Magen kann die (durchaus auch beim Hund vorhandene) Amylase nicht wirken, da der pH-Wert dort so niedrig ist, dass sie inaktiviert ist. Außerdem führt eine kohlehydratreiche Ernährung zu einer Veränderung der Darmflora, was öfter mal zu Problemen führt.

Wie viel Fett braucht der Hund nun also? Es gibt mehrere Wege sich dieser Frage zu nähern. Die einfachste ist, mal wieder, sich an der Natur zu orientieren: Der Körper typischer Beutetiere  enthält zwischen 5 und 15% Fett - über das Jahr hinweg stark schwankend. Daran kann man sich also schon einmal orientieren.
Zudem ist bekannt, dass Hunde eine sehr große Toleranz gegenüber hohen Fettmengen haben. Selbst eine Aufnahme bis zu 10g pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag wird von einem gesunden Hund gut vertragen und bedeutet auch kein erhöhtes Risiko für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Und in der Praxis? Da gibt es noch einen einfacheren Ansatz: Wenn ein mittelgroßer Hund mit den üblichen 2-3% des Körpergewichts an Futtermenge pro Tag zurecht kommt, ohne abzunehmen, dann kann man im Regelfall davon ausgehen, dass der Fettgehalt ausreichend ist. Bei kleinen Hunden sind auch 3-4% noch im normalen Rahmen. Füttert man mehr, ohne dass der Hund zunimmt, macht es Sinn einmal zu schauen, ob man vielleicht überwiegend mageres Fleisch füttert.
Da man bei einem gesunden Hund mit etwas mehr Fett nichts kaputt machen kann, schadet es auch nicht prophylaktisch eher mal fettigeres Fleisch zu nehmen oder etwas Fett zu ergänzen.

Und muss ich das nun genau ausrechnen? Auf 15% im Muskelfleisch? Und wie macht man das?

Ganz klar: nein, muss man nicht! Und schon gar nicht tagesgenau. Überhaupt, muss eigentlich bei der Ernährung eines gesunden Organismus niemals irgendetwas tagesgenau sein.

Wie also: Das Fleisch anschauen, die Angaben auf der Packung berücksichtigen - mit einer gewissen Vorsicht, denn die Schwankungen können hoch sein - und dann falls nötig ergänzen. Im Zweifel lieber etwas mehr als weniger.
Kann man dabei zuviel machen? Nein, bei einem gesunden Hund fast nicht. 10g pro kg Körpergewicht bedeutet, dass theoretisch die Hälfte (!) der Ration Fett sein dürfte. Das fällt dann auf ;)

Womit ergänzen? Unverarbeitetes, tierisches Fett. Kein Öl (schon gar keine Pflanzenöle), keine Margarine oder ähnlichen Unfug, einfach Fett. Die Tierart ist egal (nur kein rohes Schwein natürlich) und muss auch nicht zum Fleisch passen.

Also: keine Angst vor zu viel Fett - und geht lieber mit dem Hund raus als stundenlang den Taschenrechner zu malträtieren.